RSS-Feed anzeigen

Werner's ClubComputer Blog

Die Kranke(n) Kasse(n)

Bewerten
Sparen ist in aller Munde. Kaum ein Tag vergeht an dem man nicht hört, wie schlecht es um unsere Staatsfinanzen gestellt ist und welche Notwendigekeiten es zum Sparen gibt. Ich möchte in diesem Artikel einige Erfahrungen mit dem Österreichischen Gesundheitssystem berichten - und Möglichkeiten aufzeigen, wo es sehr leicht wäre Geld zu finden.
Vorgeschichte
Wie viele von euch schon wissen, habe ich mir leider ende Juni mein Schienbein gebrochen und es gab mehrere Komplikationen. Bei der Entlassung aus dem Spital nach meiner ersten Operation wurden mir physikalische Therapien verschrieben. Mir wurde empfohlen diese Therapien im Spital zu konsumieren. Das Spiltal war das Landesklinikum in St. Pölten. Diese Therapie wäre - laut Spital kostenlos gewesen, weil die Krankenkasse diese Behandlung im Spital bezahlt hätte. Das Krankenhaus St. Pölten ist ca. 30km von meinem Wohnort entfernt und da ich nicht gehfähig war - hätte mich auch ein Krankentransport jede Woche 2x nach St. Pölten gebracht und wieder heimgeführt.
Spital oder nicht Spital?
Ich habe mich aber entschieden die Therapie bei einer Physiotherapeutin in meiner Ortschaft zu machen um mir (und eigentlich auch der Krankenkasse) den Transport nach St. Pölten erparen. Dies ist grundsätzlich möglich - dazu muss die Behandlungsempfehlung des Krankenhauses von der niedergelassenen Hausärztin in eine Verordnung umgeschrieben werden (warum eigentlich? Kennt sich die Hausärztin in Sachen Physiotherapie besser aus als die Fachärztin im Spital?). Die Hausärztin bekommt natürlich eine Entlohnung für die Leistung des umschreibens - die e-Card muss dabei natürlich gesteckt werden.
Chefarzt? Wozu?
Diese umgeschriebene Verordnung muss ich dann der Gebietskrankenkasse senden. Das ging früher per e-mail (das Dokument musste eingescannt werden - wurde bei der Gebietskrankenkasse ausgedruckt - dem dortigen Chefarzt vorgelegt (warum gibt es den eigentlich - wenn mich jetzt schon zwei Ärzte gesehen haben und die Behandlung für notwendig befunden haben). Dieser Chefarzt - bewilligt nun - ohne mich zu Gesicht bekommen die Verordnung - bzw. lehnt sie auch teilweise ab.
Bewilligung
Der Chefarzt bekommt also meine von der Hausärztin umgeschriebene Verordnung die in der Praxis ausgedruckt wurde - von mir eingescannt wurde - in der Gebietskrankenkasse wieder ausgedrukt wurde - vorgelegt. (der Herr Doktor kann vermutlich keinen PC bedienen?) - Er stempelt die Verordnung ab - - mit einem schönen "Bewilligt" Stempel und vermutlich ein(e) Mitarbeiter(in) der Gebietskrankenkasse scannt das arme Dokument nun noch einmal ein und sendet es mir zurück. Ich darf es dann wieder ausdrucken. Mit diesem ausgedruckten Dokument kann ich nun endlich meine Therapie beginnen.
Unterschiedliche Leistungen der Gebietskrankenkassen für's gleiche Geld?
Ich bekam eine Lymphdrainage verordnet - die laut allen Ärzten mit denen ich gesprochen habe medizinisch sinnvoll ist um die Schwellung des gebrochenen Beins in Griff zu bekommen. Diese Leistung wird jedoch von der Wiener Gebietskrankenkasse - bei der ich versichtert bin nicht bezahlt. Die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse würde sie jedoch sehr wohl bezahlen. (Warum kann ich mir als mündiger Bürger denn nicht die Krankenkasse aussuchen, wenn sie doch auch unterschiedliche Leistungen anbieten?). Wenn ich schon bei einer Krankenkasse zwangsversichtert werde - dann müssten sie doch alle die gleichen Leistungen anbieten?
Endlich Physiotherapie?
Als ich endlich die Bewilligung hatte, teilte mir die Physiotherapeutin mit, dass ich vergessen hatte einen Hausbesuch bewilligen zu lassen. Woher hätte ich denn das wissen sollen? Also zurück mit der Verordnung zur Hausärztin - Hausbesuch verordnen lassen und wieder an die Gebietskrankenkasse schicken - scannen - mail - ausdrucken - Chefarzt - einscannen - mail - ausdrucken - und schon ist das Dokument wieder da - und ich kann endlich meine Physiotherapie beginnen. Der Kostenersatz für die Physiotherapie ist übrigens lächerlich gering. Die Kasse übernimmt weit unter der Hälfte der Kosten. Von den 45 Minuten die verordnet wurden - wurden nur 30 Minuten bewilligt (Die Niederösterreichische GKK zahlt angeblich 45 Minuten bei Hausbesuchen).
Geld zurück bekommen?

Ich bekomme also meine Physiotherapie. Zahle die Rechnungen im voraus und kann diese dann nach den 10 Einheiten an die Kasse schicken, damit ich das Geld wieder (zumindest ein klein wenig) rückerstattet bekomme. Ich packe also die Rechnungen in ein Kuvert, lege einen Begleitbrief dazu mit meiner Kontonummer und ersuche um Rückerstattung des Kostenanteils. Nach ca. 4 Wochen kommt ein Brief von der Krankenkasse. Ich denke: Super - da steht sicher drinnen, dass ich das Geld zurückbekomme? - Weit gefehlt. Es kommen die Rechnungen zurück - mit dem Vermerk dass die Rechnungen nicht ohne bewilligte Verordnungen bezahlt werden können?!?!?
Ich hatte doch das ganze Spiel getrieben und die Verordnung ausstellen lassen - die war sogar schon zweimal bei der WGKK - sie wurde schon 2x eingescannt - und die WGKK weiß nichts mehr von der Verordnung. Mit welchen Computersystemen arbeiten denn die da? Also die ganze Prozedur nochmals. Die bewilligten Verordnungen (die schon 2x elektronisch in der Gebietskrankenkassen waren) auf Papier ausgedruckt. Den Rechnungen beigelegt - und wieder an die Krankenkasse geschickt. Vielleicht bezahlen sie ja jetzt die vermutlich weit unter 100 EUR Kostenersatz aus.
Wirtschaftlichkeit?

Überlegen wir uns einmal welchen Aufwand wir hier treiben - für einen relativ kleinen Geldbetrag - und überlegen wir uns ob das ganze Prozedere auch dafür steht? Wenn man weiß welche Kosten eine Papiereingangsrechnung bei einem Unternehmen verursacht (durchschnittlich 35 EUR) - kann man sich ungefähr vorstellen, welche Kosten dieser Spießrutenlauf der Gebietskrankenkasse kostet. Nehmen wir einmal an die Krankenkasse würde einfach dem Spital glauben, dass ich die Behandlung brauche - die Bewilligung und der Chefarzt wären daher hinfällig. Das zweimalige hin und Herschicken und die nette Dame die die Dokumente ausdruckt und einscannt wäre hinfällig. Wieviel Kosten hätten wir der Grankenkasse gespart?
Oder nehmen wir an, die Krankenkasse würde die Verordnung schon vom Spital - oder von der Ärztin elektronisch bekommen (im Zeitalter der E-Card sollte das ja kein Problem sein). Die Krankenkasse würde die Bewilligung elektronisch beim Patienten speichern und wir würden uns den manuellen Prozess ersparen. Wieviel würde das einsparen?
Fazit
Wir - bzw. unsere Politiker - träumen von einer elektronischen Patientenakte. Jede Stelle weiss was mir gefehlt hat und kann auf diese Daten zugreifen. Wir haben derzeit Prozesse in den Krankenkassen die noch auf der Mariatheresianischen Kanzleiordnung basieren - und bei der ein Computer nur als Heizung zu dienen scheint - oder als Statussymbol. Genutzt wird er nicht. Spitäler haben intern keine Ahnung was dem Patienten eigentlich fehlt, der von einer in eine andere Abteilung kommt. Die Patientenakte im Spital besteht aus einem Plastikkoffer der zwischen den Abteilungen transferiert wird.
Wenn ich mir das ganze so ansehe - dann sehe ich viele Möglichkeiten in diesem System dramatisch kosten zu sparen, Personal abzubauen (dort hakt es vermutlich am meisten) und das Service für Patienten zu haben. Das einzige was dazu notwendig ist - ist es mutig anzugehen und die "des woa scho immer so" Mentalität und den Schutz von heiligen Kühen abzulegen.

"Die Kranke(n) Kasse(n)" bei Digg speichern "Die Kranke(n) Kasse(n)" bei del.icio.us speichern "Die Kranke(n) Kasse(n)" bei StumbleUpon speichern "Die Kranke(n) Kasse(n)" bei Google speichern

Stichworte: - Stichworte bearbeiten
Kategorien
Kategorielos

Kommentare

  1. Avatar von werneri
    Zitat Zitat von Hannes.Fiala
    ... und wer füttert dann die arbeitslos gewordenen Personen durch, der Werni und viele andere mit der zu zahlenden Steuer oder?
    Ich denke die Frage würde sich weniger stellen, wenn man gleichzeitig auch die Steuerbelastung auf die Arbeit endlich senken würde. Ein Tag Arbeit mit einer Baufirma zum Beispiel kostet ca. 1.000 EUR (ca. 45 EUR ex MWSt. für einen Bauarbeiter x 2 (einer alleine geht eh nicht) x 8 (Stunden) + ein bissl Maschinenmiete ist man gleich dort). Wenn also Arbeit in Österreich nicht so teuer wäre, dann könnte man vermutlich auch mehr Leute vernünftig beschäftigen. Weil wenn es nur darum geht sie zu beschäftigen könnte man sie ja auch Steine klopfen lassen - und nicht die Steuerzahler sekkieren.
  2. Avatar von werneri
    Zitat Zitat von Gerd.Preinreich
    Lieber Werner, mit Deinem Schlusssatz hast Du die Situation richtig erfasst , ich ärgere mich schon seid Jahren und ganz speziell seid Beginn der e-card über unser System. Ich denke die Sparansätze kommen erst nach dem Downgrading auf BB-
    Das Problem ist, dass die Krankenkassen ja nicht Teil des Budgets sind. Daher ist unser AA-Rating hier nicht relevant und auch nicht Einsparungen. Die Einsparungen werden ohnehin bei den Leistungen durchgeführt :-(