Netzneutralität bedeutet dass ein Netzwerkbetreiber sich neutral gegenüber in seinem Netz übertragenen Daten verhält. D.h. dass er alle Daten gleich behandelt, egal um welche Daten es sich handelt.
Beispielsweise ist eine Unterbindung von VoIP (Internet Telefonie) durch einen Internet Provider, wie er z.B. schon in mobilen Telekommunikationsnetzen erfolgt ist eine eindeutige Verletzung der Netzneutralität. Der Provider unterbindet VoIP Verkehr, in der Hoffnung dass die Kunden dann die (vermutlich teureren) Telefonie Dienste des Providers nutzt. Gleiches trifft z.B. auf die Unterbindung von P2P Programmen wie z.B. Emule oder auch BitTorrents durch Provider zu. In diesen Fällen scheint klar zu sein, dass die Zensurierung von Datenverkehr durch den Provider abzulehnen ist.
In anderen Bereichen erscheint eine Verletzung der Netzneutralität aber sinnvoll. Beispielsweise wenn ein Dienstanbieter bestimmte Dienste vor anderen priorisiert. Wenn zum Beispiel auf einer Leitung E-Mail und Telefonie sich konkurrenziert, dann erscheint es sinnvoll, dass die E-Mail etwas später zugestellt wird, wenn dadurch garantiert wird dass ein VoIP Telefongespräch dadurch störungsfrei geführt werden kann. Diese Priorisierung von Diensten im Netzwerk - nennt man Network Management.
Viele Provider verwenden diesen Priorisierungsmechanismus auch für Filesharing (P2P Clients). Da von diesen Clients oft große Bandbreiten verbraucht werden, wird die diesen Protokollen zur Verfügung stehende Bandbreite gedrosselt. Damit senkt der Provider seine eigenen Kosten – denn er hat nur zwei Möglichkeiten: Entweder er erhöht ständig die Bandbreite, da die Anforderungen seiner Kunden immer steigen, oder er reduziert die zur Verfügung stehenden Bandbreiten für bestimmte Applikationen.
Zusätzlich kann der Provider natürlich auch nur bestimmte Priorisierungen oder gar Filterungen vornehmen, wenn er den Datenverkehr seiner Kunden analysiert. Genau darin sehen Kritiker auch ein Problem. Wenn sehr ausgeklügelte Verfahren verwendet werden, um zu sehen was die Kunden auf ihren Leitungen anstellen, dann besteht die Gefahr, dass diese Informationen auch für Zwecke genutzt werden, die dem Kunden gar nicht recht sind. z.B. kann der Kunde aus den so gewonnen Informationen auch gezielt mit Werbung beschickt werden. Natürlich eröffnen genau diese Aktivitäten auch Tür und Tor dafür dass Internet Provider als Hilfssheriffs der Medienindustrie genutzt werden – und dazu verpflichtet werden ihre eigenen Kunden zu bespitzeln.
Wenn man das auf die analoge Welt umlegt, dann muss man bedenken, dass diese Verfahren vergleichbar wären, wenn die Post alle Briefe aufreißt und die Beförderung je nach Inhalt des Briefes vornimmt. So etwas gab es schon einmal in Österreich – und zwar zu Metternichs Zeiten. Spitzelwesen und Zensur waren damals alltäglich.
Netzneutralität ist also eine Gratwanderung. In bestimmten Bereichen kann Netzwerkmanagement sinnvoll genutzt werden – und für den Konsumenten eingesetzt werden. Es gibt aber auch viele Gefahren – daher muss man sich mit diesem Thema unbedingt kritisch auseinandersetzen und hinterfragen, welche Möglichkeiten der eigene Provider anwendet, und welche positiven und negativen Auswirkungen das haben könnte.




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