• Urheberrecht

      Faire Entlohnung für künstlerische Arbeit

      Künstler zu sein ist nicht unbedingt ein leichter Beruf. Wir wollen wenn wir am Abend heimkommen einen Film im Fernsehen ansehen und dabei entspannen – oder am Wochenende ins Kino gehen. Wir nutzen die Zeit die wir im Auto verbringen um Radio zu hören oder freuen uns darauf ein gutes Buch zu lesen. Das alles ist nur möglich – weil es Künstler gibt – die gute Musik produzieren, gute Schauspieler die in Filmen mitspielen, Autoren die Bücher schreiben, oder Maler oder auch Fotografen die tolle Bilder machen. Wir verstehen daher, dass Künstler für Ihre Arbeit auch einen fairen Lohn erhalten wollen – wie wir alle.

      Publikumsbeschimpfung

      Was wir als Anwender allerdings nicht verstehen, ist dass man uns in letzter Zeit immer wieder versucht in ein kriminelles Eck zu drängen. Jeder Nutzer ist ein “Raub-“kopierer. Schon alleine dieses Wort ist falsch – ich habe noch nie einen “Raub-“kopierer gesehen – der einen Künstler mit einer Waffe bedroht hätte und ihm gewaltsam sein Werk entwendet hätte (Das ist es was Raub bedeutet). Viele Konsumenten die immer legal Musik und Filme erworben haben – kommen sich ziemlich dumm vor – weil einem immer vorgehalten wird, dass ohnehin alles illegal aus dem Internet gesaugt wird. Manche Konsumenten empfinden die diversesten Kampagnen schon als “Publikumsbeschimpfung” und das ist icht unbedingt Zielführend - denn die Künstler brauchen auch uns Anwender - nämlich als ihr Publikum.

      Nachteile für ehrliche Käufer

      Zudem hat man als Käufer oft Nachteile. Kopierschutz oder Verschlüsselungstechnologien machen dem Käufer das Leben schwer (BluRay kann z.B. nicht auf VGA Bildschirmen wiedergegeben werden), Ein minutenlanger Vorspann erklärt dem Käufer dass Raubkopieren böse ist - ein Raubkopierer sieht diesen Vorspann natürlich nicht mehr, denn er wurde schon lange Zeit vorher entfernt. Bei Streaming Diensten hat man das Risiko - dass es den Dienst eventuell irgendwann nicht mehr gibt, und man auf die Daten nicht mehr zugreifen kann (was wäre z.B. wenn Amazon nicht mehr existiert mit den Kindle Büchern?).

      Veränderungen in der Medienlandschaft


      Durch die “Revolution” am Mediensektor (Medien werden nicht mehr physisch produziert (Schalplatten, CD’s, DVD’s, Bücher) – hier spart man an Produktionskosten, es wird eine Menge an Logistik eingespart – man muss nicht mehr mit LKW’s die Medien transportieren, es gibt keine Notwendigkeit für riesige Lager – und auch große teure Geschäfte / Verkaufsflächen sind nicht mehr notwendig. Daher gibt es für viele Künstler auch nicht mehr wirklich die Notwendigkeit Leib und Seele an große Medienkonzerne zu verkaufen. Die Medienkonzerne (s.g. Rechteinhaber) haben lange Zeit genau diese Aufgabe übernommen. Sie haben Medien produziert, für die Verteilung und Vertrieb gesorgt. Diese Rolle übernehmen nun andere Firmen – wie z.B. Amazon.com (für Bücher) oder Apple (für Musik). Die großen Medienkonzerne – die die Zeichen der Zeit verschlafen haben – versuchen nun mit allen ihnen zur Verfügung stehenden mitteln – alte und obsolete Geschäftsmodelle zu behüten. Über Lobbying bei Gesetzgebern versucht man daher eine Verschärfung des Urheberrechts durchzusetzen. Man versucht Internet Provider dazu zu zwingen – ihre eigenen Kunden auszuspionieren und zu überwachen. Es gibt auch vielfach Versuche das in Österreich herrschende Recht auf Privatkopie abzuschaffen – und Urheberrechtsverletzungen als strafrechtliche Delikte (derzeit sind es privatrechtliche Delikte) zu verankern.

      Festplattenabgabe

      Auf der anderen Seite gibt es die Verwertungsgesellschaften. Da in Österreich und anderen Staaten im Urheberrecht das Recht auf Privatkopie verankert ist – wurden die Verwertungsgesellschaften wie Literar-Mechan, Austria Mechana, VG-Rundfunk, etc. per Gesetz ermächtigt selbst Steuern einzuheben – und zwar auf Leermedien. Da früher fast ausschließlich Kassetten als Leermedien eingesetzt wurden – nennt sich diese Abgabe auch Leerkassettenvergütung. Diese Leerkassettenvergütung ersetzt den Verdienstentgang der Künstler der durch das private kopieren von Werken (z.B. Aufnahme aus dem Fernsehen oder Radio oder Kopie von Medien) entsteht. Da in der heutigen Zeit immer weniger Leermedien zur Anwendung kommen – versucht man den Entgang der Einnahmen durch kreative Steuern auf andere Datenspeicher zu kompensieren. Mittlerweile werden Abgaben auf Festplatten, Speicherkarten, USB-Sticks und auch auf ganze Geräte wie Drucker, PC’s, Handy’s, usw. eingehoben. Leerkassetten wurden früher fast ausschließlich zur Speicherung von Musik oder Videos verwendet. Es kann aber sein, dass auf Festplatten überhaupt keine Urhebergeschützten Werke gespeichert werden (ein geschäftlich genutztes Notebook z.B. oder auch eine Speicherkarte für den eigenen Fotoapparat). Trotzdem würden diese Geräte über die Leerkassettenvergütung abgabepflichtig. Daher wurden diese Abgaben wiederholt von österreichischen Gerichten als unzulässig erklärt. Amazon versendet z.B. keine strittigen Leermedien oder Geräte mehr nach Österreich um nicht in Gefahr zu kommen diese Abgabe abführen zu müssen.

      Wir sehen die Pauschalabgabe als legitime Abgeltung für die Privatkopie in Österreich. Wir wollen daher die Leerkassettenvergütung reformieren - aber Festplatten sind ein untaugliches Mittel dafür.

      ClubComputer fordert daher:

      • eine gerechte Entlohnung für die Künstler
        Wir (das Publikum) haben Interesse an Kunst - die nur existieren kann, wenn Künstler auch eine faire Entlohnung bekommen. Daher muss es eine Lösung für die Urheberrechtsabgabe (Leerkassettengütung) geben, die auch zeitgemäß ist und die Rückgänge aus den Eträgen der Leerkassettenvergüng bringt. Diese war in Spitzenzeiten (vor dem Rückgang der Verkäufe von CD und DVD Rohlingen) ca. 16 Mio EUR.
      • ein Bekenntnis der Politik zu einem zeitgemäßes Urheberrecht
        ein zeitgemäßes Urheberrecht kann nicht in einer willkürlichen Zwangsbesteuerung des Publikums liegen (Festplattenabgabe) - genausowenig in der Kriminalisierung desselben. Wir bekennen uns zum Recht des Urhebers auf sein Werk. Es muss aber ein Weg gefunden werden - der Rücksicht auf reale Gegebenheiten (Internet) sowie legitime Forderungen der Kunstschaffenden (Vergütung) sowie der Anwender (Privatspähre) in Einklang bringt.
      • die Einführung von für den Konsumenten bequemen und attraktiven Geschäftsmodellen (der legale Erwerb von Werken muss für den Konsumenten preislich attraktiv und bequem sein) Legal erworbene Werke sollen keine künstlichen Einschränkungen enthalten (z.B. Kopierschutz). Diese Modelle sind teilweise im Musik und Buchsektor verfügbar - in anderen Bereichen noch nicht. Es ist als Gegebenheit anzusehen dass es genauso wie es heute keine Plattenläden (CD Geschäfte) mehr gibt, in Zukunft auch keine Buchhändler mehr geben wird. Heute wird auch kein Filmmaterial mehr gekauft. Manche Firmen haben von diesen Veränderungen dramatisch profitiert (Apple, Amazon), andere sind beinahe verschwunden (Kodak). Auch zeigen illegale Angebote wie z.B. Kino.To - dass mit modernen Angeboten entsprechende Einnahmen zu generieren sind. Warum bietet die Filmbranche nicht selbst ein Kino Portal an?
      • die Abschaffung der Buchpreisbindung auf elektronische Bücher
        Die Buchindustrie hält al der Buchpreisbindung auf elektronische Bücher fest. Die Preisvorteile von elektronischen Büchern, die durch den Wegfall des Drucks, Lagerung, Vertriebs entstehen werden nicht an den Konsumenten weitergegeben, was elektronische Bücher im deutschsprachigen Raum unattraktiv macht.
        Warum ist es billiger ein e-Book in englischer Sprache zu kaufen - als das entsprechende original in Deutsch? Das kann nicht die Bestrebung der Buchpreisbindung sein.
      • die Entkriminalisierung der Anwender (des Publikums)
        Anwender die Ihr Recht auf Privatkopie ausüben und Werke tauschen sollen nicht mit Strafen bedroht werden (die derzeit ohnehin nicht exekutiert werden können). Als Ausgleich für dieses Recht soll es eine zeitgemäße Pauschalabgabe geben.
      • Geschäftemacherei mit den Werken anderer soll bestraft werden
        Anbieter die geschützte Werke im Internet anbieten, um daraus Profite zu ziehen sind abzulehnen, und müssen auch bestraft werden (z.B. Videodownloadportale die Werbefinanziert sind). Hier ziehen Personen große Profite aus der Arbeit anderer. Dies ist sowohl moralisch als auch rechtlich abzulehnen.
      • Keine Überwachung der Kommunikation von Anwendern
        Eine Überwachung des Internet Verkehrs der Anwender ist schon aus demokratiepolitischen Bedenken abzulehnen. Bestrebungen Internet Provider zu “Hilfssheriffs” zu machen – die Ihre Kunden ausspionieren müssen – sind entschieden abzulehnen. Diese Überwachung wäre aber die einzige Möglichkeit das Urheberrecht auch im privaten Raum strikt durchzusetzen.
      • eine vernünftige Lösung für die Leerkassettenvergütung.
        die Umstellung der Leerkassettenvergütung auf Abgaben auf Radio- und Fernstehstationen – die die Werke in Verkehr bringen
        Eine Abgabe auf Festplatten ist vollkommen willkürlich – und nicht an den tatsächlichen Konsum gebunden. Jemand der eine große Festplatte besitzt muss nicht unbedingt auch große Mengen an Musik kopiert haben. Zusätzlich ergibt sich durch die Festplattenabgabe auch ein Nachteil für den Wirtschaftsstandort Österreich – da Österreichische Händler hier gegenüber ausländischen Anbietern klar benachteiligt werden. Zudem wird vom Konsumenten nicht verstanden warum er 50% Abgabe auf eine Festplatte zahlen soll. Die Größenordnung dieser Abgabe auf Speichermedien die nur selten erworben werden scheinen unverhältnismäßig hoch. Die Einhebung der Pauschalabgabe könnte z.B. über die GIS als Haushaltsabgabe eingehoben werden.




      Wir ersuchen um Feedback zu den oben genannten Forderungen. Diese Themen werden bei unseren einmal im Monat stattfindenden Stammtischen "Netzpolitik" disutiert und weiter verfeinert.
      Kommentare 1 Kommentar
      1. Avatar von werneri
        werneri -
        Spannender Artikel über das Urheberrecht:
        http://antilobby.wordpress.com/2012/...oren-kunstler/
        Danke an AnonAustria für den Tipp.